Darf lernen Spass machen?
Lernen beginnt lange bevor wir wissen, dass wir lernen.
Ein Baby bekommt keine Anleitung dafür, wie es sich drehen, aufrichten, sitzen oder irgendwann gehen soll. Es probiert aus. Immer wieder. Es scheitert nicht – jedenfalls nicht in unserem erwachsenen Sinn. Eine Bewegung funktioniert oder sie funktioniert noch nicht. Also passiert etwas anderes.
Dabei wird nicht nur eine fertige Bewegung gelernt. Das Kind sammelt Erfahrungen: über Schwerkraft, Gleichgewicht, Kraft, Raum und den eigenen Körper.
Diese Art des Lernens fasziniert mich.
Wir Erwachsenen haben dagegen ziemlich genaue Vorstellungen davon entwickelt, was richtig und was falsch ist. Wir wollen ein Ergebnis erreichen und möglichst schnell dort ankommen. Wenn etwas nicht funktioniert, versuchen wir es häufig noch einmal – nur ein bisschen kräftiger.
Feldenkrais lädt zu einer anderen Art des Lernens ein.
Eine komplexe Bewegung wird in kleinere Zusammenhänge zerlegt. Wir probieren aus, verändern etwas, gehen zurück, machen Pausen und setzen Dinge wieder zusammen. Unsere Aufmerksamkeit wandert dabei zwischen dem Ganzen und kleinen Details hin und her.
Nicht die perfekte Ausführung steht im Mittelpunkt, sondern die Frage: Was kann ich wahrnehmen?
Vielleicht entdecken wir dabei einen Zusammenhang, den wir vorher nicht bemerkt haben. Vielleicht finden wir mehrere Möglichkeiten für dieselbe Bewegung. Und manchmal stellen wir fest, dass etwas leichter wird, wenn wir weniger tun.
Lernen bedeutet für mich deshalb nicht einfach, eine neue Bewegung zu beherrschen. Es bedeutet, Unterschiede wahrnehmen und Möglichkeiten erkennen zu können.
Genau darin liegt für mich auch die pädagogische Seite der Feldenkrais-Methode: Wir bekommen nicht ständig gesagt, wie etwas richtig geht. Wir bekommen den Raum, den es braucht, um es selbst herauszufinden.
Neugier statt Korrektur. Erkunden statt bewerten.
Und vielleicht können wir uns dabei etwas von Kindern abschauen: ausprobieren, verwerfen, neu anfangen – ohne daraus gleich eine Geschichte über Erfolg oder Misserfolg zu machen.