Ausschalten heißt Abschalten
Wir sitzen am Rechner, schauen aufs Handy, beantworten Nachrichten, springen zwischen Terminen, Informationen und Aufgaben hin und her. Vieles davon ist selbstverständlich geworden – und ziemlich praktisch.
Nur: Unser Körper sitzt immer mit am Tisch.
Wir merken oft erst spät, wie lange wir schon in derselben Position verharren, die Schultern hochgezogen haben oder den Blick kaum noch vom Bildschirm lösen. Und wenn wir eine Pause machen, greifen wir nicht selten zum nächsten Bildschirm.
Ausschalten heißt eben nicht automatisch abschalten.
Genau deshalb finde ich Feldenkrais heute so interessant.
Feldenkrais verlangt nicht, dass wir unseren Alltag komplett verändern, auf Technik verzichten oder plötzlich vorbildlich auf einem ergonomischen Stuhl sitzen. Die Methode stellt erst einmal eine viel einfachere Frage:
Was bemerkst du eigentlich gerade?
Wie sitzt du? Wo ist dein Gewicht? Wie beweglich sind deine Augen, während du auf einen Bildschirm schaust? Was passiert mit deinem Atem, wenn du dich konzentrierst? Und könntest du dieselbe Tätigkeit vielleicht auch ein kleines bisschen anders organisieren?
Es geht nicht darum, die perfekte Haltung zu finden. Unser Körper ist schließlich nicht dafür gemacht, den ganzen Tag eine einzige „richtige“ Position festzuhalten. Viel interessanter ist die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu organisieren und zwischen verschiedenen Möglichkeiten wechseln zu können.
Dafür braucht es nicht unbedingt eine Stunde auf der Matte. Manchmal beginnt es mitten im Alltag: den Blick vom Bildschirm lösen. Das Gewicht auf dem Stuhl wahrnehmen. Den Kopf ein wenig drehen. Die Füße spüren. Einen Moment nichts verbessern wollen.
Für mich bedeutet Feldenkrais neu denken deshalb auch, die Methode nicht nur als etwas zu verstehen, das im Kursraum stattfindet. Die eigentliche Frage ist doch, was wir davon mitnehmen:
In unseren Alltag. An den Schreibtisch. Ins Auto. Beim Warten. Beim Gehen. Und vielleicht sogar in die Art, wie wir mit uns selbst umgehen.